Allein schwanger!

Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern

Irgendwann halte ich es nicht mehr aus und explodiere. Ich bin wütend, fühle mich alleine mit meinen neuen Gefühlen und den körperlichen Veränderungen. Ich konfrontiere meinen Freund mit meinen neuen Eindrücken. In ihm macht sich ein Gefühl der Enttäuschung breit. Er wünschte sich, ein Teil meiner neuen Gefühlswelt zu sein, bemüht sich wo er nur kann und muss letztden Endes feststellen, dass er nicht nachvollziehen werden kann, was sich in mir verändert. Schließlich bin ich schwanger und nicht er. Das ist ein Dilemma.

So versucht Mann in den ersten Wochen seiner Euphorie, die Frau bestmöglich zu unterstützen. Er verzichtet anfänglich auf Kaffee oder sein Bierchen mit den Jungs und schafft es gerade mal bis zur 10. Schwangerschaftswoche. Danach verfällt er seinen alten Gewohnheiten. Es ist zu anstrengend, auf die alltäglichen Genussmittel zu verzichten. Letztendlich ist er nicht schwanger, sondern ich. Es reicht also aus, wenn ich deswegen zurück stecken muss.

Sprüche, seitens männlicher Kollegen und Freunde, rechtfertigen dieses Verhalten damit, dass es schließlich besser sei für die Frau, wenn er entspannt nach ein bis zwei Bierchen von seinen Kumpels nach Hause komme als durch den Verzicht frustriert zu sein. Schließlich täte es der Freundin gut, wenn er sich dann entspannt um ihre Belange kümmern könne. So schont er quasi seine Kräfte für mich, um die dauernden Stimmungsschwankungen ertragen zu können. Ich sollte also dankbar sein?!

Abgesehen davon muss ich beobachten, holen Männer sich das Lob ihrer Gleichgesinnten durch ein Schulterklopfen ab. Kumpels prahlen über die gute Leistung, die sie und ihre ach so fruchtbaren Spermien vollbracht haben. Das “Frau” sich letztendlich 40 Wochen physisch und psysisch verändert, quält und anschließend mit den Nachwirkungen der Schwangerschaft zu kämpfen hat, scheint selbstverständlich und wird selten gefeiert oder geschulterklopft. Und so werden letztendlich auch nicht ihre fruchtbaren Eier gewürdigt, sondern nur seine. Es scheint das natürlichste Phänomen der Welt, dass wir dieses Wunderwerk mit all unseren biologischen Gegebenheiten wuppen und am besten mit Bravour. Es wurde “Frau” ja quasi in die Wiege gelegt.

Da ist sie wieder, die Wut und das Gefühl der Ungerechtigkeit. Möglicherweise ist es ein Geschenk der Natur, das ich die Kraft in mir habe ein Lebenwesen mit meinem Körper zu versorgen und es dann auf die Welt zu bringen. Es ist etwas ganz Besonderes und fühlt sich sehr mächtig an. Doch diese Macht, macht mich auch ohnmächtig. Ich bin ihr ausgeliefert.

Damit endet erstmal das Gefühl sich als selbstbestimmte Frau zu fühlen. Als werdende Mutter habe ich das Gefühl, von meiner Umwelt in eine Schublade gesteckt zu werden. Meine Mütterlichkeit rückt stärker in den Fokus als meine Persönlichkeit oder meine Interessen im Leben etwas erreichen zu wollen was über das Mutter-Sein hinaus geht. Um so länger ich darüber nachdenke, umso mehr komme ich an meine Grenzen und fühle mich allein. Ein kleines Wesen in mir zu haben, finde ich zauberhaft. Anstrengend ist eher die geballte Aufmerksam, die ich von nun an täglich spüre. Alles dreht sich um das Kind in mir.

Ich  möchte mich am Liebsten verkriechen, abwarten was geschieht und mich auf meine Intuition verlassen. Ich bin davon überzeugt, dass meine Gefühle mir rechtzeitig Bescheid geben werden, was ich wann für meine Schwangerschaft und die Zeit danach brauche. Ich wünsche mir ein natürlichen Umgang mit meinen Bedürfnissen und Vorstellungen ganz in meinem Tempo. Das muss sich erst entwickeln. Es braucht Zeit bis ich mich auf das neue Lebensgefühl eingestellt habe.

Ich stelle mir die Frage, wie ich in Zukunft einen geeigneten Weg für mich finden kann, die Eindrücke von Außen nicht als Belastung warzunehmen und nach meiner Geschwindigkeit zu reagieren und zu handeln?

Das ist die Herausforderung, die ich jetzt zu bewältigen haben!

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