Gefühlschaos

Ich versuche etwas gegen meine Gefühlsverwirrungen zu unternehmen. Den ganzen Vormittag telefoniere ich mit Ärzten, der Krankenkasse, dem Kreißsaal und meiner Hebamme. Immer wieder berichte ich von meinen unangenehmen Gefühlszuständen und fühle mich nicht ernst genommen. Langsam bekomme ich das Gefühl mir alles nur einzureden. Wie kann ich meinen Zustand ernst nehmen, wenn die Außenwelt es nicht mal tut. Immer wieder muss ich mich mit dem Kommentar zufrieden geben: „Sie sind schwanger!“

Dazu gehören eben all diese unangenehmen Begleiterscheinungen. Da schwanger sein erstmal keine Krankheit ist, muss ich mich damit abfinden, dass ich die nächsten Monate eingeschränkt durchs Leben laufe. Ich fühle mich weder wohl noch sicher in meiner eigenen Haut.

Am Ende lasse ich meinen Frust über meine neuen Zustände bei meinem Freund ab. Er versucht die ganze Zeit Verständnis aufzubringen, teilt mir permanent mit wie sehr er für mich da ist und das er mich unterstützt wo er nur kann. Letztenendes gibt er mir damit noch mehr das Gefühl mich nicht wirklich zu verstehen. Irgendwie gemein von mir, oder?

Wie soll er mich auch verstehen? Er ist ein nicht schwangerer Mann und biologisch ändert sich nichts. Doch meine Gefühle sprudeln über, weil ich meine Entscheidungen alleine treffen muss.

Will ich weiter arbeiten gehen oder nicht?

Wie soll mein Alltag aussehen, wenn ich nicht weiter arbeiten gehe?

Gehe ich in eine Klinik für depressive Schwangere und gehe meine Probleme direkt an?

Eine Depression ist für Andere schwer zu sehen. Von außen mache ich einen relativ normalen Eindruck. Ich kann reden, mich ausdrücken und mich normal bewegen. Doch innerlich fühle ich mich leer, manchmal allein gelassen, hilflos, antriebslos, ohne Motivation. Zu allen Aufgaben muss ich mich zwingen, weshalb ich nach der Hälfte des Tages entschließe mich nicht weiter anzustrengen und mich ins Bett lege. Manchmal liege oder sitze ich dann nur da als würde ich auf etwas warten. Ich schaue fast gedankenlos aus dem Fenster. Möglicherweise merke ich nicht mal mehr, dass meine Gedanken eigentlich wie wild umherkreisen und ich deshalb schnell erschöpft bin. Ich finde kaum Entspannung in meinen Gedanken. Ich fühle mich als möchte ich platzen und allen sagen, wie es wirklich in mir aussieht, doch das Gefühl, das es am Ende nichts nutzen wird, weil es nur meine Gefühls- und Gedankenwelt ist die mich quält, bringt mich immer wieder zum Schweigen. Und so schlucke ich meine inneren Konflikte runter und warte ab bis sich der Sturm gelegt hat.

Der Kopf kann ganz klar sein und mir sagen, was ich jetzt brauche, doch ich bekomme es nicht richtig hin mir das zu geben. Oder ist das ständige ins Bett legen, einen Film schauen, der richtige Weg? Immerhin bin ich schwanger.

Alles in allem fühle ich mich in mir Gefangen. So wunderbar der Gedanke ist, dass es ein Baby ist, welches in mir wächst, fällt es mir schwer all meine Einschränkungen zu akzeptieren und mich dieser neuen Lebenssituation anzupassen. Es macht keinen Spaß, wenn ich für jede Tat  Unmengen an Kraft aufbringen muss, um sie letztendlich zu vollziehen. Das fängt beim Aufräumen der Wohnung an und hört und hört eben beim Duschen, Anziehen und sich für den Tag fertig machen auf.

Wie lange wird es dauern, bis ich diesen Zustand akzeptieren kann?


Solltest Du einen spannenden Beitrag zu einem bestimmten Thema haben, freue ich mich über Deinen Kommentar an mich. Ich bitte Dich in Deinen Äußerungen stets wertschätzend und achtsam mit meinem Gedankengut und dem der Anderen umzugehen.

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