Mutterflaggschiff

Das Abenteuer MAMA werden

Kaum ein Gespräch führt an Kinder, Familie oder Geburt vorbei, wenn die Leute mir begegnen. Ich löse durch meine Optik in den Menschen Vorstellungen oder Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben aus, so dass sie sich frei fühlen mit mir darüber zu sprechen, ungeachtet meinem Interesse an ihren Geschichten.

Mit diesen Erlebnissen fühle ich mich mehr und mehr wie ein großes Mutterflaggschiff, dass durch den runden Bauch Sicherheit, Vertrauen und Ruhe ausstrahlt und offenbar dazu einlädt mir ganz persönliche Geschichten über das eigene Erleben der Schwangerschaft und Geburt zu erzählen. Ich höre also zu, bleibe ruhig, achtsam und wertschätzend.

Doch ein Wochenende mit Verwandten steht mir bevor und obwohl ich mich über diesen Besuch freue, bin ich im Vorfeld angespannt. Ich denke an die zentralen Gesprächsinhalte und habe die Vermutung, dass erneut ungefragt Erfahrungen mit mir geteilt werden, die ich meistens noch bereit bin zu hören. Egal wo ich mich aufhalte, mein runder Bauch lenkt die Gespräche früher oder später auf die Geburt und das Leben danach. Die Kommentare reichen von warnend vor einer anstrengenden Zeit bis hin zu – das ist das Beste was dir passieren kann.

Auf die VERÄNDERUNG im Bezug auf das Leben mit Kind, werde ich besonders aufmerksam gemacht. Immerwieder betonen die Menschen, dass sich mein Leben um 180 Grad verändern wird. Danach fügen sie hinzu, wie schön und bereichernd diese Zeit auch ist. Ich bin verwirrt! Warum tun sie das?

Ich habe mir folgende Gedanken dazu gemacht.

LEBEN IST VERÄNDERUNG!

Für mich ist das Leben Veränderung. Ganz besonders in den letzten Jahren. Ich befand mich permanent im Wandel, beruflich wie privat. Umorientierung und Neuorientierung sind mir daher keine Fremdworte. Ich war darauf angewiesen frühzeitig Verantwortung für mich und mein Leben zu übernehmen. Mein Eindruck ist, dass ich in den letzten Jahren gut auf Veränderungen vorbereitet wurde, auch wenn es nicht immer leicht war. Die Krisen haben mein Bewusstsein geschärft, mich selbstsicherer und stärker gemacht.

Geht es eventuell um Veränderung in Bezug auf freundschaftlichen Beziehungen?

Auch in diesem Bereich habe ich keine großen Befürchtungen. Freunde kamen und gingen. Nach dem Studium gab es keine engeren Freundschaften. Mein Freundeskreis bestand mehr und mehr aus guten Kontakten. Was sollte sich also verändern? Die freundschaftlichen Beziehungen waren nicht abhängig von meiner Lebensweise. Zeit für regelmäßige Treffen gibt es seit dem Einstieg in die Berufswelt ohnehin kaum.

Geht es darum, dass ich nicht mehr feiern gehen kann wann ich will?

Wenn ich ehrlich bin, tuh ich das schon eine ganze Weile nicht mehr. Einerseits weil eben Freunde mit ihrem eigenen Leben sehr beschäftigt sind und ein spontanes Tanzen gehen nur noch sehr sehr selten gelingt. Anderseits weil sich meine Interessen bezüglich der Suche nach Loslösung vom Alltag geändert haben. Früher habe ich beim Tanzen gehen, Bierchen oder Wein trinken und neue Leute kennenlernen viel rausgezogen. Heute nehme ich nur noch betrunkene, manchmal einsame Menschen mit oberflächlichen Gesprächsinhalten war. Was will man sich in dieser Umgebung auch schon erzählen. Schließlich geht es um Vergnügen und Spaß. Ernsthafte Gespräche sind hier nicht erwünscht. Ich verstehe es, sich den Frust der Arbeitswoche wegtrinken oder raustanzen zu wollen, doch diesen Frust habe ich nicht. Die meiste Zeit gehe ich meinen Weg und bin sehr zufrieden mit dem was ich beruflich oder privat tue. Und sollte ich es mal nicht so sein, dann sorge ich dafür, dass ich es wieder sein kann. Ok, mal weiter gedacht. Was könnte es noch sein, dass sich um 180 Grad verändert?

!Mein Leben richtet sich nach dem Kind? *Laut Lach*

Als wüsste ich das nicht auch von selbst seit dem Tag meiner Schwangerschaft. Haben die anderen darüber erst nachgedacht als das Kind da war? Das genau waren doch meine Sorgen und Ängste, mich nicht mehr frei zu fühlen und nur noch für das kleine Wesen da sein zu müssen. Natürlich macht mir das Angst und ich weiß um diese Veränderung. Doch jetzt bin ich schwanger und es gibt kein zurück mehr. Das Baby wird geboren werden. Also wird sich auch mein Leben verändern und mein Freiheitsbedürfniss eine Weile verlagern müssen.

Mit diesem Bewusstsein schreite ich jeden Tag ein Stückchen auf die neue Zeit nach der Geburt voran und freue mich über diese Herausforderung. Es wird eine ganz andere sein als die ich bisher zu bewältigen hatte. Diesmal geht es dabei um ein kleines Lebewesen und nicht mehr nur um mich. Ich bekomme eine wichtige und sehr verantwortungsvoll Aufgabe.

Ich weiß noch, wie ich in den ersten Wochen totale Scheu vor diesen Aufgaben hatte und mein Leben davon laufen sah. Mit jeder Woche in der mein Bauch wächst, das Kind sich bewegt und ich mich mehr und mehr verbunden fühle und mit jedem Augenblick in dem ich auf Menschen treffe, die mir Ratschläge erteilen wollen, verändert sich mein Gefühl zu meinem Kind. Um so mehr Menschen versuchen mich in ein Raster zu stecken, um so mehr spüre ich, wie ich mich auf meinen eigenen Weg vorbereite. Ich spüre, wie ich diesem Raster nicht gerecht werden muss. Ich weiß auch, dass es ein schwerer Weg werden kann. Es ist immer schwieriger nicht konform zu sein, doch am Ende fühle ich mich auch freier. Ich gebe außerdem die Hoffnung nicht auf, auf Gleichgesinnte zu treffen.

Noch ein schönes Erlebnis zum Schluss.

Vor einiger Zeit hatte ich eine Verabredung mit einer Bekannten. Wir hatte uns lange nicht gesehen und ein gemeinsamer Abend im Restaurant sollte das ändern. Die junge Frau ist nur wenig älter als ich und wir haben vier Stunden zusammen gesessen, gegessen und geplaudert. Es war ein wunderbarer Abend der damit endete, dass ich mich bei ihr für die Gesprächsinhalte bedankte. Es wurde nicht auf meiner Schwangerschaft herumgeritten. Sie hat sich für meine beruflichen und privaten Perspektiven interessiert und war aufgeschlossen meinen Ideen und Gedanken gegenüber. Das hat mir so gut getan. Mehr davon!

Wenn ich über die Schwangerschaft reden möchte, dann mache ich das schon von ganz alleine und zwar als Teil meines aktuellen Lebensabschnittes und nicht als Nabel meiner Lebenswelt.

Menschen dürfen neugierig sein und mir Fragen stellen, doch mich ungefragt mit gut gemeinten Ratschlägen zu überfluten, finde ich unangemessen und möchte ich NICHT mehr!

Ich möchte kein Mutterflaggschiff sein, die eine BABYFLOTTE, stellvertretend für die Mütter dieser Nation, führt. Ich möchte meine ganz eigenen Erfahrungen mit dieser Zeit machen und das werde ich so gut ich kann. 🙂


Solltest Du einen spannenden Beitrag zu einem bestimmten Thema haben, freue ich mich über Deinen Kommentar an mich. Ich bitte Dich in Deinen Äußerungen stets wertschätzend und achtsam mit meinem Gedankengut und dem der Anderen umzugehen.

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