40+ die letzten Tage bis zum Geburtstermin

Wann wird unser Baby sich auf den Weg machen? Was gibt es noch zu erledigen? Haben wir alles vorbereitet?

Ich fühle mich wie im Nebel. Mein Stimmung lässt sich nicht greifen. Es ist alles vorbereitet. Jeden Moment kann es soweit sein und die Geburt beginnen. Mein Freund hat endlich Urlaub. Das gibt mir Sicherheit. Die Wohnung ist auf Hochglanz geputzt. Es kann also losgehen. Irgendwie kann ich es manchmal noch gar nicht begreifen. Wir werden bald zu dritt in unserer Wohnung, gemeinsam als Familie, leben. Das wird ein ganz besonderer Moment.

Wartezimmerstimmung – Zeit zum Innehalten

Es ist eine merkwürdige Zeit, in der meine Gefühle einerseits ganz ruhig und gelassen sind, anderseits ganz aufgeregt umherwirbeln. Ich fühle mich wie in einem Wartzimmer kurz vor einem wichtigen Termin. Die Zeit will nicht vergehen. Ich möchte dennoch nicht aufgerufen werden, weil ich nicht weiß, was mich erwartet. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass mir nichts schlimmes passieren wird.

Die letzten Tag sind beschwerlich.

Ich kann mich kaum noch bewegen. Jeden Tag überlege ich aufs Neue, was ich anziehen soll. Nichts passt mehr. Die Pullover von meinem Freund müssen aushelfen. An meinen Füßen sehe ich Wassereinlagerungen. Knöchel habe ich dafür keine mehr. Mein Körpergewicht ist noch mal gewaltig gestiegen. Ich bringe knapp 80 Kilogramm auf die Waage. Mein Bauchumfang ist noch mal um 8 Zentimeter gewachsen. Jetzt bringt der Bauch 110 stolze Zentimeter mit sich.

Mein Kind ist kräftiger und schwerer geworden. Insbesondere Nachts spüre ich mit jedem Seitenwechsel das Gewicht. Ich trage einen gefühlten Medizinball oder Sandsack mit mir herum, der bei jeder Bewegung und Drehung mit muss. Mein Kind und ich lagern uns regelrecht um und brauchen einen Moment bis wir unsere Position gefunden haben. Irgendwie zum Schmunzeln und irgendwie auch anstrengend. Ich schnappe nach Luft. Drehungen erfordern Höchstleistung. Wie ein dicker Käfer rolle ich mich von der einen Seite zur anderen. Wenn ich aufstehen möchte, wende ich eine “Aufstütz-Aufschwung-Technik” an, um mein Gewicht nach oben stemmen zu können. Klassisch, den Oberkörper aufrecht hinsetzten und dann die Beine raus, wird nichts mehr. Krämpfe erschweren die Nacht. Eine normalerweise körperlich genüssliche Streckung endet mit Wandenkrämpfen. Die sogenannten Mutterbänder, die meine Gebärmutter tragen, haben ordentlich was zu halten und krampfen ebenfalls. Magnesium wird vor der Geburt nicht mehr empfohlen. Schließlich müssen die Muskeln jetzt trainieren. Das tun sie den ganzen Tag. Der Bauch wird fester und wölbt sich nach vorne. Die Bewegungen gleichen einer Welle. Dabei habe ich glücklicherweise keine Schmerzen. Liegen ist zur Zeit oft das bequemste. Bewegung aber notwendig und wichtig, um einigermaßen in Form zu bleiben.

Füße am Rippenbogen-Atemnot.

Die Bewegungen in meinem Bauch sind zwar langsamer aber dafür stärker geworden. Ich spüre die Kraft des Kindes. Und dieses Kind liebt es, sich an meinem Rippenbogen abzustützen. Manchmal bleibt mir die Luft weg. Wie ein Wahl bewegt sich mein Baby durch meinen Bauch. Es ist unfassbar, wie das möglich ist. Ich habe das Gefühl keine Organe mehr zu haben. Alles wird verdrängt und dennoch hat die Natur es so eingerichtet, dass es genau passt. Das sind die normalen Befindlichkeiten einer Schwangeren. Es gibt gute und bessere Tage.

Manchmal bewege ich mich wie eine übergewichtige Elfe durch den Tag und manchmal wie ein dicker Käfer.

Jetzt bin ich an dem Punkt angekommen, freudig den Tag zu erwarten, an dem ich meinen Körper wieder für mich habe. Ich weiß, dieses Baby fühlt sich ganz prächtig in meiner Bauchhöle. Es ist warm, sicher und geborgen. Dieses Kind wird sich nach der Geburt erstmal an die äußere Umgebung gewöhnen müssen. Wie aufregend! Vorher war mir das gar nicht so bewusst. Es wird alles zum ersten Mal erleben. Kontakt mit der Luft, mit unterschiedlichen Wärme- und Lichtverhältnissen, Geräusche ohne schützende Bauchwand und vieles mehr. Es wird eine neue Welt erleben und ganz eigene Erfahrungen machen.

Bis dahin kann ich mir meine Socken oder Schuhe nicht richtig anziehen, nicht richtig Essen, weil der Magen zusammen gedrückt wird oder nicht Laufen, weil mein Rücken nach einigen Metern schmerzt. Für alles brauche ich viel mehr Zeit als früher. Ich muss ständig Pausen machen.

Fahrrad fahren ist das einzige Fortbewegungs- und Transportmittel mit dem ich zumindest ein Stück Unabhängigkeit, Freiheit und Beweglichkeit erlebe. Natürlich auch im Schneckentempo.

Früher hätte ich sicher die Hände über den Kopf zusammen geschlagen und mir gedacht, wie kann man nur schwanger sein wollen mit all den Einschränkungen und Wehwehchen. Vielleicht ist es manchmal besser nicht zu wissen, was auf einen während der Schwangerschaft zukommt. Anderseits fühlt es sich gar nicht so dramatisch an. Es gehört irgendwie dazu und ist manchmal ziemlich lustig, wenn ich bedenke, was körperlich passiert. Stressig wird es in den Augenblicken, in denen ich meinen Zustand nicht akzeptiere. Das Gefühl, auf mehr und mehr Hilfe angewiesen zu sein, ist unangenehm. Für mich ist das mein größtes Problem bisher gewesen. Ich möchte oft noch die gleiche Leistung (gewöhnliche Aufgaben) erbringen oder zumindest irgendwie etwas im Haushalt schaffen und muss dann passen. Bücken, Tragen und langes Umherlaufen sind einfach zu beschwerlich und rechen sich bei mir mit Atemnot oder Schmerzen. Ich bin froh, dass Schreiben noch funktioniert. Insofern ich genug Pausen mache, um auch hier meinen Rücken vom langen Sitzen zu entlasten. Ich frage mich, wie es wohl ohne diesen Bauch sein wird.

Meine Aufmerksamkeit, meine Liebe und Fürsorge richtet sich ganz auf das kleine Wesen in mir und die Geburt.

Geplant ist eine Hausgeburt. Jeden Morgen schaue ich auf die Nummer der Hebammen, die am Kühlschrank hängen. Wann werde ich diese wählen? Alles ist vorbereitet. Wir haben sogar einen Geburtspool. Ich bin schon ganz gespannt es zum Einsatz zu bringen. Auf der Badewanne stehen Kerzen und ein Schaumbad mit meinem aktuellen Lieblingsduft,welchen ich extra für die Eröffnungsphase bereit gestellt habe. Manchmal rieche ich schon daran und freue mich auf den Moment es einsetzten zu können. Im Wohn- und Schlafzimmer liegt meine Entspannungsmusik bereit, die ich täglich höre und zur Geburt einsetzten möchte. Es ist für die richtige Atmosphäre und Stimmung gesorgt. Die Utensilien, die eine Hausgeburt erfordern und die Hebammen sich wünschen, sind zusammengepackt. Ich fühle mich sehr wohl und sicher mit dieser Entscheidung, besonders da ich in meinem vertrauten Umfeld bleiben kann.

Alles in Allem möchte ich die Erfahrung meiner Schwangerschaft in meinem Leben nicht missen. Es ist etwas ganz Besonderes und hat dazu geführt, über einiges in meinem Leben nachzudenken. Meine Gefühlswelt hat sich verändert, aber auch Bedürfnisse, Wünsche, Ziele und Ansprüche. Mit einem Mal bekommen viele Dinge im Leben einen anderen Sinn. Die Welt und das Leben drehen sich nicht mehr um einen selbst, sondern um dieses kleine Wesen in mir. Mit der Geburt meines Kindes, erfahre auch ich eine Geburt in ein neues Leben. Das ist eine Chance für mich, mein Leben noch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Das Kind wird in irgendeiner Weise den zukünftigen Weg weisen. Ich werde es begleiten und unterstützen. Was für ein wunderbarer Gedanke.

Kreativ den Moment der Schwangerschaft festhalten

Wir haben das Wochenende genutzt ein paar kreative Erinnerungen zu schaffen. Zum Einen haben wir meinen Bauch in Bildern und zum Anderen in Gips verewigt. Ich war schon ganz nervös es nicht mehr rechtzeitig zu schaffen. Unser Wohnzimmer wurde zu einem Fotostudio umfunktioniert und das Badzimmer zu einer kleinen Werkstatt.

 

Den ganzen Vormittag haben wir Bilder von mir, dem Bauch und uns geschossen. Ich habe mir extra einen kleinen Fernauslöser für meine Spieglereflexkamera gekauft. Es war etwas umständlich und anstrengend, aber wir waren sehr stolz auf das Ergebnis. Später haben wir meinen Bauch mit Gipsbinden eingehüllt. Mein Freund hat mit viel Liebe und Vorsicht einen wunderbaren Abdruck reproduziert. Ursprünglich hatte er keine Lust dazu und wir wussten beide nicht, was wir mit dem Resultat machen sollen. Ich dachte nicht an die Zweckmäßigkeit. Vielmehr war es eine Möglichkeit, sich später an die dicke Kugel zu erinnern und in plastischer Form zu bestaunen, wie groß dieser Bauch war. Irgendwie finde ich es auch ganz beeindruckend, meinem Kind später zu zeigen, dass es in diesem Bauch gewohnt hat.

Einen Abend zuvor habe ich noch eine Geburtstagskerze für unseren Neuankömmling gebastelt. Dazu habe ich eine weiße große Stumpfkerze und Wachsplatten aus einem Kreativmarkt gekauft. Diese lassen sich frei Hand zurechtschneiden oder mit Förmchen ausstechen und durch die Wärme der Hände ganz einfach auf die Kerze drücken. Mein Freund hatte die Idee für die Motive und ich habe geschnitzt, geklebt und angeordnet.

Ich finde das Wochenende hat uns als Paar und zukünftige Familie noch mal näher zusammen gebracht. Kleine Rituale und Gesten sind etwas wunderbares, welche ich mit in unser zukünftiges Leben zu dritt nehme.

Ich denke, unser Baby kann spüren, dass es willkommen ist und darf sich nun auf den Weg zu uns machen.


 

 Solltest Du einen spannenden Beitrag zu einem bestimmten Thema haben, freue ich mich über Deinen Kommentar. Ich bitte Dich, in Deinen Äußerungen stets wertschätzend und achtsam mit meinem Gedankengut und dem der anderen umzugehen.

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